Barrierefreiheit in Leverkusen
Inklusionsgruppe kritisiert schleppende Umsetzung
Von Gabi Knops-Feiler 24.04.2026 · 07:30 Uhr

Leverkusen · Zu hohe Bordsteine, oft fehlende Signale an Ampeln: Die Inklusionsgruppe Leverkusen beklagt deutliche Hindernisse im Alltag. Zudem würde die Gruppe bei städtischen Planungen oft zu spät eingebunden.
Die Begegnungsstätte „Einfach da“ an der Breidenbachstraße 13-15 erweitert ihr Angebot: Ab sofort bietet die Inklusionsgruppe eine regelmäßige Alltagshilfe an. Jeden Dienstag von 12 bis 14 Uhr stehen Ehrenamtliche bereit, um Menschen bei behördlichen Anliegen und alltäglichen Herausforderungen zu unterstützen – kostenlos und offen für alle. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen benötigen, etwa bei der Beantragung eines Pflegegrads, der Verhinderungspflege oder bei Vorsorgevollmachten und Patientenverfügungen. Dabei versteht sich die Unterstützung bewusst als niedrigschwellig und ersetzt keine rechtliche Beratung. Vielmehr soll sie Orientierung geben und Hemmschwellen abbauen.
Die Inklusionsgruppe, die sich seit 2016 für mehr Barrierefreiheit und gesellschaftliche Teilhabe engagiert, hat das Angebot aus ihrer praktischen Arbeit heraus entwickelt. Immer wieder zeigte sich, dass viele Menschen im Alltag auf Unterstützung angewiesen sind. Neben konkreter Hilfe verfolgt die Gruppe das Ziel, ihre Arbeit bekannter zu machen und weitere Mitstreiter zu gewinnen.
Ein weiterer Schwerpunkt bleibt die Situation im öffentlichen Raum. Nach wie vor erschweren bauliche Hindernisse wie zu hohe Bordsteine, enge Gehwege oder fehlende Orientierungshilfen für Sehbehinderte die Teilhabe vieler Menschen. Auch die Umsetzung barrierefreier Maßnahmen verlaufe häufig schleppend, schilderte Vorstandsmitglied Uwe Bartels. So müssten beispielsweise akustische Signale an Ampeln oft einzeln beantragt werden.
Die Gruppe kritisiert, dass sie bei städtischen Planungen häufig zu spät eingebunden werde, verdeutlichte Inklusionsbotschafter Andreas Hollstein. Hintergrund sei nicht zuletzt die ursprüngliche Stadtentwicklung: Leverkusen wurde in großen Teilen als autogerechte Stadt konzipiert, was bis heute sichtbare Barrieren hinterlassen habe. Gleichzeitig stoße Engagement nicht immer auf offene Ohren. So berichten Mitglieder, dass einige Arztpraxen ein barrierefreies Siegel ablehnten – aus Sorge vor zusätzlichem Aufwand.
Trotz dieser Herausforderungen setzt die Inklusionsgruppe auf Dialog und Engagement. Sie ist im Beirat für Menschen mit Behinderung vertreten und beteiligt sich im Rahmen des Leverkusener Gesundheitstages an Aktionen wie dem Inklusionstag am 27. Juni rund um das Funkenplätzchen in Wiesdorf. Überdies ist ein gemeinsames Sommerfest am 4. Juli auf dem Marktplatz vorgesehen. Für eine Tombola werden noch Sachspenden gesucht. Langfristig bleibt das Ziel klar: mehr Barrierefreiheit, mehr Teilhabe und eine stärkere Gemeinschaft.
Weitere Informationen unter https://inklusionsgruppe-leverkusen.de/ sowie telefonisch unter 0157 54136546.
