Behindertenbeirat will weiter „unbequem bleiben“

Behindertenbeirat will weiter „unbequem bleiben“

Von Alexander Riedel 11.04.2026 · 13:00 Uhr

Bernd Schuster ist jüngst wieder zum Vorsitzenden des Beirats gewählt worden. Er sagt: „Wir bleiben unbequem.“ Foto: Tim Bräutigam

Leverkusen · Das Bewusstsein für die Belange von Menschen mit Behinderung habe sich im Laufe der Jahre gewandelt, betont Bernd Schuster, wiedergewählter Vorsitzender des Gremiums. Dennoch gebe es weiter Luft nach oben.

Vom Bürgerbüro über die BayArena bis zu vereinzelten Gaststätten und Geschäften reicht die Liste der Einrichtungen, die inzwischen das Barrierefrei-Siegel der Stadt Leverkusen tragen. Mit dem Ziel, ein Bewusstsein für Hindernisse im Alltag zu schaffen und gleichzeitig auf gut erreichbare Orte hinzuweisen, hatten die Verwaltung und der Beirat für Menschen mit Behinderung das Projekt im Jahr 2025 gestartet. 34 Mal haben sie es seither vergeben. „Unsere Mitglieder haben dafür in der Vergangenheit viele Unternehmen persönlich angesprochen und aktiv für das Barrierefrei-Siegel geworben“, berichtet der Beirats-Vorsitzende Bernd Schuster. Einrichtungen aller Art können dazu einen Antrag stellen und einen Fragebogen ausfüllen. Dann prüfen die Beiratsmitglieder, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Kriterien sind auch auf einer Checkliste im Internet zusammengefasst: Gebäude müssen zum Beispiel ohne Stufen betreten werden können, Durchgänge, Türen und Bewegungsflächen breit genug und ebenso wie Tische und Toiletten für Rollstuhlfahrer geeignet sein.

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Eine konkrete Zahl an Siegeln strebe man nicht an, sagt Schuster. „Wir freuen uns über jede Bewerbung – insbesondere, wenn sich auch Gastronomie-Betriebe und Einzelhandelsbetriebe für das Barrierefrei-Siegel bewerben würden“, betont er. Mit dem Barrierefrei-Siegel sei es gelungen, für die Themen Barrierefreiheit und Teilhabe zu sensibilisieren. Dem hat sich Schuster seit Langem verschrieben: Seit 2017 gehört er als Vertreter der Lebenshilfe-Werkstätten Leverkusen/Rhein-Berg gGmbH dem Beirat an – und ist zugleich dessen Vorsitzender. Anfang März bestätigten ihn die 23 stimmberechtigten Mitglieder im Amt – ebenso wie seine Stellvertreterinnen Kerstin Schallehn von der Deutschen Multiple-Sklerose-Gesellschaft und Katja Bedra vom
“Heilpädagogische Hilfen (HPH)-Netz Ost“ des Landschaftsverbands Rheinland (LVR).

Das Bewusstsein für das Thema habe sich verändert, sagt Schuster in der Rückschau: „Im Bereich der Barrierefreiheit hat sich in den letzten Jahren einiges getan.“ Das liege nicht zuletzt auch am Altern der Gesellschaft: „Von Barrierefreiheit profitieren nicht nur Rollstuhlfahrende, sondern auch Menschen mit Rollatoren. Und davon unabhängig nützt es auch Familien mit Kinderwagen“, verdeutlicht er. Die Interessen von Menschen mit Behinderung zu vertreten und dabei ein Bindeglied zur Stadtverwaltung zu sein, ist Aufgabe des ehrenamtlichen Gremiums – vom abgesenkten Bordstein bis zu Behindertenparkplätzen. Zum Beispiel bei der Sanierung des Manforter Bahnhofs brachte sich der Beirat ein – und setzte etwa eine geringere Neigung der Zwischenpodeste bei der Rampe durch. Bei zahlreichen Neubauprojekten wird der Beirat ebenso eingebunden wie bei der barrierefreien Gestaltung des öffentlichen Personenverkehrs. Natürlich gebe es noch „Luft nach oben“ im praktischen Umgang mit dem Thema. Insgesamt sei der Beirat durch die Projekte der vergangenen Amtszeit aber „sichtbarer geworden“, resümiert Schuster.

 Katja Bedra bleibt stellvertretende Vorsitzende.

Katja Bedra bleibt stellvertretende Vorsitzende. Foto: Tim Bräutigam

INFO Bindeglied zur Stadt:

Der Beirat für Menschen mit Behinderung der Stadt Leverkusen wurde im Jahr 1977 gegründet. Die ehrenamtlichen Mitglieder werden alle fünf Jahre gewählt und vom Oberbürgermeister berufen. Das Gremium setzt sich zusammen aus Vertretern von Behinderten- und Selbsthilfegruppen, Vereinen, Verbänden und Politik und ist als beratendes Mitglied vertreten im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Senioren und im Ausschuss für Stadtentwicklung, Bauen und Planen. Infos: behindertenbeirat.leverkusen.de

Dazu beigetragen habe auch der „Tag der Inklusion“ – mit Info-Angeboten rund um den Beirat, Rollstuhl- und Blindenparcours. Zweimal fand er bereits statt – mit guter Resonanz, wie Schuster betont. Die nächste Veranstaltung ist für Samstag, 27. Juni, vorgesehen – und soll laut dem Vorsitzenden wieder eine Mischung aus Informationen und Aktionen bieten. Die Planungen laufen.

Kerstin Schallehn hat ebenso weiter das Amt der Stellvertreterin inne.

Kerstin Schallehn hat ebenso weiter das Amt der Stellvertreterin inne. Foto: Tim Bräutigam

Im Jahr 2025 hatte es zudem Informationsveranstaltungen mit der Kölner Polizei gegeben. Die will der Beirat ausbauen – und sich laut Schuster zudem stärker mit den Beiräten anderer Kommunen vernetzen: Ein Netzwerktreffen habe es schon im vergangenen Jahr gegeben, berichtet der Leverkusener, der sich auch über zusätzliche Unterstützung im eigenen Gremium freut.

Dem haben sich jetzt zwei neue Mitglieder angeschlossen: „Ich erhoffe mir dadurch auch neue Impulse für die Beiratsarbeit“, sagt der Vorsitzende – und bekräftigt: „Wir werden weiter unbequem bleiben und unsere Stimme für Menschen mit Behinderung einsetzen.“

(ied LH)

Quelle: https://rp-online.de/nrw/staedte/leverkusen/behindertenbeirat-in-leverkusen-will-weiter-unbequem-bleiben_aid-146090669